Hallo Unbekannter !
 

Schutzgeld

April 17th 2009 by Ronnie in Unerfreuliches, Persönliches

Als ich heute den Briefkasten öffnete strahle mich ein Brief von der Stätte meines Würgens Wirkens an. Das dies in den seltensten Fällen etwas Gutes mit sich bringt dürfte ja bekannt sein.

Schlechte Botschaften bringt entweder Hiob oder man verschont den potentiellen Boten und versaut den Empfänger das Wochenende, in dem man heutzutage modern mit der Post die Nachrichten versendet.

Da es der sogenannten "kriesengeschüttelten und angeschlagenen Automobilbranche" so schlecht geht, sieht sich auch mein Arbeitgeber in der misslichen Lage, mich um einen Beitrag zum Erhalt des Wohlstandes (nicht meinen!) zu bitten.

So weit, so gut.

Nach den ersten Zeilen der Klage und der Not wird dem entsetztem Leser wie in der "Sendung mit der Maus" erklärt, warum diese Maßnahme überhaupt ergriffen wird.

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Der Unterschied ist aber der: Wenn ich in besseren Zeiten mehr Geld zur Verfügung habe, dann spare ich entweder für schlechtere Zeiten oder bringe mein sauer verdientes Geld unter die Menschen.

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Bitten darf man ja und bekanntlich macht ja der Ton die Musik.

Erpressen klingt ja bekanntlich nicht so schön wie Bitten und außerdem bekomme ich ja sogar noch was dafür geboten. Ich meine, hey, das ist heute nicht überall der Fall.

Ich darf mir also für mein verzichtetes Gehalt ein paar Monate länger den Erhalt meines Arbeitsplatzes erkaufen? Immerhin bis 2009…

Ach halt, wir haben ja schon 2009. Hmm?

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Dieses Schutzgeld ist also eine risikofreie Investition, die mich bis (wahrscheinlich!) Ende 2009  vor einer Entlassung schützt??

Nein, das heißt ja im Neudeutsch "Freistellung". Klingt ja auch viel besser. So ein wenig nach Freiheit. Ich liebe Euphemismus!

Wir reden hier immer noch über das 13. Gehalt und nicht über eine zusätzliche freiwillig gezahlte Leistung des Arbeitgebers. Das 13. Monatsgehalt ist ein Entgelt für erbrachte Arbeitsleistungen. Im Grund genommen wird das Jahresgehalt anstatt in 12 Raten in 13 Raten gezahlt. Wegen des Entgeltcharakters besteht auch regelmäßig ein Rechtsanspruch auf das 13. Monatsgehalt.

Wenn die Firma meine Arbeit nicht braucht, behalte ich meinen Job auch bei einen 50%igen Lohnverzicht nicht, da ich entbehrlich und immer noch zu teuer bin. Also würde der ganze Spaß am 01.01.2010 weitergehen, weil ab diesem Zeitpunkt mein Schutzgeld ausgelaufen ist.

Wird allerdings meine Arbeitskraft benötigt, bin ich trotz schwieriger Zeiten 100% meiner Arbeit wert. Daher kommt auch mein verdrehtes Verständnis aus den Begriffen "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer".

Eigentlich (so sehe ich das) bin ich (ihr alle) der Arbeitgeber, da ich meine Arbeitskraft, mein Wissen und Können an den Arbeitnehmer verkaufe. Aber in der modernen Sklaverei gilt dieses Prinzip nicht mehr!

Weiterhin empfinde ich es eine Frechheit rumzuklagen und dann tausende(!) Briefe mit einer Frankierung á 1,45 Euro + einen vorfrankierten Umschlag (für die Zustimmung) á 0,55 Euro durch die Gegend zu schicken, wenn der Großteil der Mitarbeiter am Montag sowieso diese Nachricht brühwarm serviert bekommt. Schade um das Geld, schade um das Papier.

Von der demotivierenden Wirkung dieser Aktion fange ich gar nicht an zu reden!

Die ganze Aktion hätte man anders aufziehen können. Wie ich schon weiter oben sagte, macht der Ton die Musik. So ist das alles nur eine hässliche Aneinanderreihung von lautstarken Krach. Musik währe gewesen, die Menschen ohne diese Schutzklausel zu bitten. Ich hätte bestimmt ein paar Euro gespendet.

Eigentlich gehörte sowas nicht hier her. Aber weil es uns alle angeht und sich die Wolken verdunkeln empfehle ich als Tageslektüre die Seiten von Michael Winkler.

Ab zum Tageskommentar - jetzt :-)!

Wow, schon 7 Kommentare zu “Schutzgeld”

  1. Gravatar of Der MfG Der MfG sprach am